“Spitzenbäume” in Himmelpfort – Schneekristalle aus Textil werden zu “Kunst am Baum”

Heute, am 12.12.2013, war es soweit – ich habe mit der Hilfe vieler großartiger Menschen zum ersten Mal Bäume in ein Spitzenkleid gehüllt!

Und so sieht mein erster “Spitzenbaum” aus – eine Linde, die direkt vor dem Weihnachtspostamt in Himmelpfort steht:

1. Spitzenbaum vor dem Weihnachtspostamt Himmelpfort

 

Der Weihnachtsmann war auch dabei
Das gelbe Fahrrad im Bild gehört übrigens dem Weihnachtsmann…, er kam uns auch besuchen, genau wie ein Engel und Frau Holle. Hier ist der Fotobeweis (vorerst nur für den Weihnachtsmann):

ADB und Weihnachtsmann am SpitzenbaumDer Weihnachtsmann half sogar, die Bommeln im Baum zu befestigen, die textilen Schneekristalle schienen ihm sehr zu gefallen :-) . Es war etwas neblig in der ersten Tageshälfte und so dauerte es nicht allzu lang, bis mir die Finger klamm wurden, aber mit Handschuhen klappte das Nadelhalten einfach nicht. Wenigstens hielt mich die Skihose warm.

1. Spitzenbaum DetailTrotz umfangreicher Vorarbeiten (zum Prozess siehe weiter unten) war das sorgfältige Befestigen zeitaufwändiger als gedacht – gegen 13Uhr war ich erst mit Baum Nummer Eins fertig. In der letzten Stunde hatte ich aber nur noch Kleinigkeiten perfektioniert, so dass wir wie geplant um 12:00 Uhr die Übergabe mit Ortsvorsteher Lothar Pietsch und dem Weihnachtsmann – mit Fototermin für die Presse – machen konnten (hier wird noch ein Foto nachgereicht, ich muss es mir erst noch von meinen Helfer*innen besorgen).

Ich war froh über die zahlreichen Begleiter, die aus Himmelpfort, Berlin und Erkner gekommen waren. Vom Haus des Gastes bekamen wir Tee und Kaffee und eine wunderschöne Aufwärmgelegenheit im Weihnachtsmannhaus an einem eisernen Herd mit loderndem Feuer, die wir zum “Auftauen” genossen, bevor wir uns am frühen Nachmittag dem zweiten Baum auf der Festwiese widmeten.

2. Spitzenbaum - ZwischenstandUnd so sieht der zweite Baum aus – als “Work in Progress” – denn fertig ist er noch nicht, es fing an zu nieseln und wurde langsam dunkel, daher mußten wir abbrechen. Am Sonntag, den 15.12.2013 Samstag, den 14.12.2013, werde ich den zweiten Baum fertig stellen. Geplant ist, noch einige der unteren Äste einzukleiden und auch noch ein Stück Stamm oberhalb des ersten Astwirbels. Eine ganze Reihe weißer Bommeln haben wir aber schon im Baum verteilt – sie verstärken den winterlich-märchenhaften Eindruck, den die Schneekristallspitzen erzeugen.

Das Ergebnis hat uns schon jetzt alle begeistert. Beide Bäume sind Hingucker und die vielen großen und kleinen Besucher von Himmelpfort, die auch unter der Woche das Weihnachtspostamt besuchten, waren sichtlich angetan. Viele Male wurde ich gefragt, warum ich das mache, die Antwort “weil ich es schön finde und möchte, das viele Menschen sich daran freuen können”, hat bisher allen genügt (ausführlichere Argumente finden sich am Ende meines Ankündigungsblogposts zur Aktion HIER).

Wie entsteht ein Spitzenbaum?

Aufmaß BaumDer Prozess ist gar nicht so kompliziert. Zuerst sucht man sich einen geeigneten Baum und nimmt Maß, denn vieles kann man zuhause vorbereiten – aber nur dann, wenn man eine genauer Vorstellung davon hat, was man braucht – man mißt also den Umfang von Stamm und Ästen und die Abstände zwischen den Stellen, die sich im Umfang stark unterscheiden. Ich mache das in einem kleinen Büchlein, dann fliegen mir die Zettel nicht herum.

Für große Flächen – etwa den bedeckenden Stamm – klebe ich mir die benötigten Ausmaße mit Kreppklebeband auf den Boden (siehe Bild – das wurde das Kleid für den zweiten Spitzenbaum, die Fichte).

Ausgelegte Spitzen

Vorarbeit im Trocknen und Warmen

Dort lege ich die vorhandenen Spitzendeckchen (am besten auf ebay eingekauft oder im Bekanntenkreis eingesammelt) so aus, dass sie von Form und Muster schön zu einander passen, stecke sie mit Nadeln fest und nähe sie dann nach und nach zusammen. Das ist schon etwas mühsam – für die Stämme beider Bäume habe ich ca. 30-40 Stunden Vorbereitungszeit gebraucht. Einzelne Teile kann man auch auf einem Tisch zusammennähen, am Ende eignet sich der Boden aber am besten. Gegen wunde Knie helfen Kissen, manchmal habe ich auf dem Bauch liegend gearbeitet.

Vorbereitung 1. Baum

Damit man beim Nähen nicht vor Langeweile stirbt, kann man wunderbar nebenbei Hörbücher hören oder Filme am Laptop schauen. Ich habe z.B. nebenbei diverse Vorträge auf YouTube angehört, um mich auf die Talkshow bei Anne Will zum Thema “Tötet der Kapitalismus?” vorzubereiten. Das Bild oben zeigt das Kleid für den ersten Spitzenbaum, die Linde, das praktischerweise die Maße eines meiner Teppiche hatte. Rechts und links hatte ich die Spitzendeckchen nach Größe (klein, mittel, groß) und Format (rund, eckig, rautenförmig) sortiert bereit gelegt. Alle Deckchen habe ich vorher gebügelt, damit sie schön glatt liegen.

1. Spitzenbaum - Beginn

Am Baum wird es spannend – paßt das Kleid?

Das fertige Kleid im Rechteckformat habe ich dann vorsichtig zusammengelegt, in ein Stück Stoff eingeschlagen und am Baum auf einer Leiter stehend und mit Hilfe anderer wieder ausgerollt und sofort am oberen Rand mit Stecknadeln und einem Hammer erst einmal provisorisch befestigt.

Screenshot - 12-12-13

Auf Sorgfalt kommt es an – und Fingerspitzengefühl

Danach strafft man das Ganze in jede Richtung – die Spitzen müssen sehr stramm sitzen, denn beim ersten Regen werden sie schlaffer und sie sollen ja dann keine traurigen Falten werfen. Damit das Spitzenkleid an der gewünschten Stelle bleibt, kann man viele weitere Stecknadeln zum Festpinnen nutzen. Nur nicht tief in die Rinde treiben – das tut dem Baum weh. Dort, wo die Längskanten des Spitzenkleides aneinander treffen, wird sorgfältig zugenäht, auch alle sonstigen Stellen, wo einzelne Teile der Spitzendeckchen etwas unförmig herumhängen, werden mit Nadel und Faden fixiert. Alle dann nicht mehr notwendigen Stecknadeln werden wieder herausgezogen. Da, wo ich ein einzelnes Deckchen z.B. in der Baumkrone befestigen wollte, habe ich das nur mit Stecknadeln getan. Für ein paar Wochen wird das halten.

1. Spitzenbaum - Detail

Sorgfältiges Arbeiten ist wichtig, denn Spitzen leben von Akkuratesse – nicht nur der Muster selbst, die ihren Reiz ausmachen, sondern auch ihrer Form. Das Ergebnis lohnt die Mühe. Ich bin jedenfalls stolz auf mein Werk und hoffe, dass es vielen Menschen Freude macht und vielleicht sogar Lust auf Handarbeiten weckt. Ich danke allen, die mir heute geholfen haben und freue mich über Nachahmer*innen (und über Fotos davon!). Es ist sehr entspannend, mal etwas ganz Anderes zu machen als (in meinem Fall) Politik, Ehrenamt und sonstige Arbeit. Ich hatte großen Spaß bei der Aktion! Wenn es Berichte irgendwo über meine Spitzenbäume gibt, schickt mir die Links, dann kann ich sie hier einstellen. Das eine oder andere Bild werde ich auch noch ergänzen.

Gefallen Euch die Spitzenbäume? Über Feedback freue ich mich – nutzt einfach das Kommentarfeld dafür.

Update – Presselinks

Weitere Blogposts zum gleichen Thema:

  • Ankündigung der Aktion

One Thought on ““Spitzenbäume” in Himmelpfort – Schneekristalle aus Textil werden zu “Kunst am Baum”

  1. Bernd Noelmans on Dezember 13, 2013 at 7:41 am said:

    Ich finde das toll, vor allem den zweiten Baum finde ich schön. Ich habe hier in Belgien eine Bekannte die macht Stricksachen, womit sie mit ein par Freunden Bekleidungsaktionen ausführt (Standbilder, Laternenpfähle, … ) Ich habe ihr das Link zu dieser Seite geschickt :-)

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