Unternehmensgründung aus “Notwehr” – weil es endlich Glasfaser-Breitband in Deutschland braucht

Es ist zum weinen: Deutschland ist Schlußlicht in Europa, was die Versorgung mit richtiger Glasfaser betrifft. Die Deutsche Telekom schickt uns Flyer ins Haus, in denen sie 3 Stufen des Netzausbaus beschreibt und wo die dritte Stufe “Vectoring ist die Zukunft” heißt. Für die, die es nicht wissen: Vectoring ist so ziemlich das Letzte, was man mit dem Begriff “Zukunft” assoziieren sollte, die “Braunkohle der Kommunikationstechnologie” trifft es viel eher. Vectoring beschreibt die Strategie der Deutschen Telekom, hoch subventioniert durch die Bundesregierung, Glasfaser nur auf längeren Strecken zu legen und auf der letzten Meile immer noch die Daten über alte Kupferkabel zu leiten. Man versetze sich zum Vergleich aus dem digitalen Zeitalter einmal in die Zeit der industriellen Revolution zurück und stelle sich vor, es gäbe keinen ÖPNV als Bus und Straßenbahn sondern Eisenbahn auf langen Strecken und die kurzen Distanzen werden mit Pferdewagen überwunden. Und dann kommt ein Verkehrsunternehmen und sagt: “Die Zukunft, das ist Nahverkehr mit Pferden, die mit elektrischen Peitschen angetrieben werden”. Ja, sehr cool.

Es sind aber immer noch PFERDE, verdammt!

Und Kupfer bleibt Kupfer und wird nie die Leistung einer Glasfaser bringen, und wenn man noch so viele, teure und energiefressende Vectoringkästen alle paar Meter aufstellt! *KopfaufTisch*

Man achte auch auf die klassische Formulierung: "BIS ZU 100Mbit werden MÖGLICH" - das weiß man was man hat. Nicht.

Man achte auch auf die klassische Formulierung: “BIS ZU 100Mbit werden MÖGLICH” – das weiß man was man hat. Nicht.

Es ist mehr als unglücklich, dass die Breitbandstrategie des Bundes den Erhalt eines veralteten Geschäftsmodells eines Großkonzerns höher priorisiert, als die Zukunftssicherheit unseres Landes. Viele Wettbewerber haben sie dafür kritisiert, selbst aus der EU kam Kritik, weil diese Subventionen auch noch den Markt für die Telekom schützen und Investitionen Dritter behindern. Also was tun, außer ärgern und aufregen? Manchmal ist die Antwort: Selbermachen!

Lernen von den Besten: Schweden weiß, wie Breitbandausbau geht

Mein Mann Daniel und ich haben uns dafür entschieden, selbst etwas zu tun. Daniel ist beruflich viel in Schweden unterwegs, unter anderem, weil dort das Internet so schön schnell und preiswert ist. Vor vielen Jahren hat er dort auch Jonas Birgersson, den man in Schweden auch den “Breitband-Jesus” nennt, kennengelernt. Und so hat er natürlich auch mitbekommen, dass der Breitbandausbau in Schweden ganz anders funktioniert als bei uns. Muss man sich nicht fragen, warum in Deutschland nur lächerliche 1,2 Prozent der Breitbandanschlüsse auf Glasfaser basieren, während es in Schweden 33-Mal mehr sind (40 Prozent) sind? Schweden hat die höchste Internetdurchschnittsgeschwindigkeit in Europa, die viertschnellste in der Welt. Schweden ist im globalen Innovationsindex von 2016 auf Platz 2 und hat sich in einem Jahr um 8 Plätze verbessert. Deutschland, das “Land der Ideen”, das vom alten Ruhm seiner Innovationsstärke noch immer zehrt, ist auf dem absteigenden Ast – von Platz 9 sind wir nun auf Platz 10 abgefallen. Wer sich mit der Entwicklung der digitalen Revolution beschäftigt, wundert sich darüber nicht. Ein Land, das in der vorherigen industriellen Revolution keine Eisenbahnschienen gebaut hätte, wäre im Innovationsvergleich wohl auch abgestiegen, weil neue Unternehmen eine moderne Infrastruktur brauchen, um eine Chance zu haben. Und heute reisen eben nicht nur Container um den Globus sondern Datenpakete.

Was macht Schweden anders? 

Also stellt sich die Frage: Was machen die Schweden anders? In Schweden gibt es einen fundamentalen Unterschied im Breitbandausbau und der liegt im starken Fokus auf den dezentralen Ausbau durch Kommunen. Das geht nicht, weil es nicht finanzierbar ist und sich nie rechnet? Stimmt nicht. Die Schweden zeigen ja schon seit Mitte der 90er, dass dieser Weg funktioniert, UND dass er sich rechnet. Für die Kommunen wurde das Internet so zur langfristigen Einnahmequelle, für die Nutzer wurde das Internet vor allem rasend schnell und super preiswert. Wer in Deutschland von der Deutschen Telekom einen 10MBit Anschluss mit symmetrischer Leistung möchte (also Download UND Upload mit dieser Geschwindigkeit, und eben nicht über ein Shared Medium wie DSL, sondern, wie soll man es sagen – über eine richtige Anbindung an das Internet-Netzwerk und kein komisches Modulationsverfahren auf einer alten Telefonleitung), der soll 500€ blechen (wir haben das für unser Haus mal angefragt). Im schwedischen Glasfasernetz gibt es die 100 fache Geschwindigkeit – 1 Gigabit symmetrischer Leistung für etwa 50 Euro – und nein, da fehlt keine Null. Das ist auch keine Zauberei sondern schlicht ein anderes Geschäftsmodell. Eines, das die Infrastruktur der Zukunft in die Hände der Kommunen legt und das Internet  als Daseinsvorsorge betrachtet, wie Straßen oder Abwasserkanäle. Es ist ein natürliches Monopol, das jeder Haushalt braucht aber keiner zweimal. Nur einmal in richtig, preiswert und zuverlässig. Die Kommunen in Schweden bekommen das hin. Die Deutsche Telekom und die rein Top-Down orientierten Geschäftsmodelle in Deutschland leider nicht.

Wir wollen dieses Geschäftsmodell hierzulande verbreiten, weil wir es als kritischen Weg sehen, endlich schnelles Internet auch bei uns in Deutschland zu bekommen. Weil weder Infrastrukturminister noch digitale Bundestagsausschüsse offenbar in der Lage sind, die richtigen Strategien vorzugeben. Und weil es auch unabhängig davon geht, wenn sich Kommunen finden, die Lust darauf haben, es den schwedischen Pionieren nachzumachen. Wir, das ist der deutsche Ableger des schwedischen Unternehmens, das seit den 90er Jahren Breitband in schwedische Kommunen legt. Wir heißen ViaEuropa Deutschland und sind eine GmbH. Das schnelle Internet wollen wir unter dem Namen “Opengiga” in die Fläche bringen. Open – weil es auf einem offenen Marktplatz basiert, Giga – logisch – weil es Giga Leistungen nicht nur als Werbetrick verspricht, wie z.B. Vodafone sondern weil da auch wirklich Gigaspeed drin ist – genau das, was die Gigabit-Gesellschaft braucht.

Wie genau das alles funktioniert, wie die Glasfaser als Dark Fibre von Kommunen dem Markt zur Verfügung gestellt wird, wie sich das für sie rechnet und wie durch einen offenen Marktplatz obendrauf ein intensiver Wettbewerb entsteht, der dezentral neue Arbeitsplätze schafft, Dienste, Konditionen und Preise für Endkunden verbessert – das alles werden wir am Freitag bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellen und anschließend auch über unsere Website www.viaeuropa.de. Bei der Pressekonferenz werden auch Vertreter der schwedischen Kommune Landskrona von ihren Erfahrungen berichten und ein Vertreter des Deutschen Städte und Gemeindebundes seine Perspektive beitragen. Natürlich ist auch der “Breitband-Jesus” dabei, Jonas Birgersson :-) .

Pressevertreter*innen, die sich für unsere Pressekonferenz am 16.9.2016 in Berlin interessieren, könnten uns gern an presse @ viaeuropa . de schreiben, wir schicken dann umgehend die Einladung mit den Details. Wir twittern übrigens unter @opengiga_de – folgt uns zahlreich!

So, und jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, denn es gibt viel zu tun in so einem Start Up!

++++++++ UPDATE ++++++++++

Unsere Pressekonferenz am 16.09.2016 war ein voller Erfolg. Wir konnten uns über viele Berichte in diversen Medien freuen, erhalten immer noch neue Anfragen und viel ermutigendes Feedback von Menschen aus ganz Deutschland. Der Leidensdruck durch mangelnde Internetgeschwindigkeit ist einfach hoch.

Unsere Pressemappe kann man inzwischen auf https://www.opengiga.de/ herunterladen.

Pressespiegel zum Unternehmensstart:

 

2 Thoughts on “Unternehmensgründung aus “Notwehr” – weil es endlich Glasfaser-Breitband in Deutschland braucht

  1. dot tilde dot on September 14, 2016 at 5:38 pm said:

    gutes gelingen!

    .~.

  2. Vor einigen jahren hatte ich noch latent die Hoffnung, dass das Warten mit dem Ausbau irgend einen Vorteil bringt. Wer weiß, wieviel Frequenzen wir in Zukunft frei haben oder ob sich andere Techniken finden, möglich dass das Verlegen schneller geht weil man nicht mehr die komplette Straße aufreißen muss usw. Nur, es ist halt nichts schneller als Licht also Glasfaser. Besser wird´s nicht.
    Die kommunale Lösung empfinde ich als gut, wer auch bei den Lebensmitteln auf regionale Erzeuger setzt der wird die enge Anbindung an die Kommune die die Kosten aber auch den späteren Gewinn hat, sicherlich als vertrauensvoller Empfinden als die Telekom. Diese wird jedoch ein Auge auf den Monopol Verlust haben und immer dann ein Angebot für eine Region unterbreiten in der “Ihr” aktiv werdet. Der Kampf gegen die Großen ist nicht immer so einfach, erinnere mich da wage an einen kleineren Ort der Jahrzehnte brauchte um endlich das Stromnetz also die Leitungen zurückzukaufen und die dann feststellten das einige Technik die sie dort erworben hatten von 1930 war.

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